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"Wenn Sie langes Haar haben, lieben wir Sie. Wenn Sie es lang wachsen lassen wollen, werden wir Ihnen dabei helfen"

Ein Juwel aus ca. 1990, geschrieben von Klaus Müller, der damals derjenige war, der George Michael Langhaarpflegeprodukte nach Deutschland gebracht hat. Wir waren damals Mitte der 80er Jahre einer der ersten Friseurgeschäfte, die diese außergewöhnlichen Produkte angewandt haben und wurden von Klaus Müller noch selbst geschult. Auch George Michael war mehrfach bei uns im Geschäft, hat bei uns auch Schulungen und Seminare durchgeführt. Ein unglaublich toller Mensch, der leider schon lange nicht mehr unter uns weilt. Ich habe diesen Auszug aus dem Buch Haargeheimnisse wieder gefunden und wollte es hier mal teilen. Viel Spaß damit, jeder der langes Haar hat oder haben möchte, wird bestimmt die eine oder andere Anregung in dem Text finden.

"Tipps, die der Vorbeugung von Haarschädigungen dienen, kennen wir: nicht zu heiß föhnen, gute Bürsten verwenden, keine Chemie. Die Kette würde sich beliebig erweitern lassen. Aber: Schönheit kommt doch auch von innen. Und deshalb kann man sie auch von innen unterstützen.

Wachstum und Struktur der Haare werden von unterschiedlichsten Faktoren beeinflusst. Pflege von innen und äußerlich angewendete Haarkosmetik sind maßgeblich am Aufbau eines gesunden Haares beteiligt. Um die äußerliche Pflege kümmern wir uns sehr intensiv. Aber leider wird die Pflege von innen oftmals unterbewertet! Die Schönheit der Haare kommt von innen!

Das Haar reagiert wie die Haut auf Ernährung, Lebensweise und Psyche. Pflege von außen reicht bei weitem nicht aus, um das Haar ausreichend zu versorgen. Die Versorgung der Haare beginnt in der Haarwurzel. Bei der Hautpflege erkennen wir leicht, dass die beste Creme die gewünschte Wirkung nicht erzielt, wenn z.B. eine Krankheit im Körper steckt. Da sich die Haut ständig erneuert - im Gegensatz zum Haar - lassen sich Hautschädigungen leicht erkennen und meist auch schnell ausgleichen. Bei Haarschädigungen handelt es sich aber um einen langsamer fortschreitenden Prozess. Deshalb werden Veränderungen der Haarstruktur oder Wachstumsstörungen von den Kunden oftmals nicht rechtzeitig wahrgenommen. Um Haarschäden (wortwörtlich!) schon im Ansatz zu bekämpfen, muss die "innere Pflege" stimmen. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung und vor allem die Liebe zum eigenen Haar bieten ideale Voraussetzungen für den gesunden Aufbau der Haare.

Der Blutkreislauf versorgt das Haar

Um zu verstehen wie diese "innere Pflege" im Haar wirkt, möchten wir vorab einige Zusammenhänge erklären. Der Blutkreislauf des Körpers ist der "Ernährer" der Haarwurzel. In der Haarwurzel wird das Haar gebildet und über diese mit Nährstoffen versorgt. Der Haarwurzel wiederum wird durch arterielle Kapillare nährstoffreiches Blut zugeführt. In der Wurzel findet der Stoffwechsel statt. Toxische Stoffe und Stickstoffe müssen wiederum abtranspor­tiert werden. Dieser Abtransport geschieht über den venösen Teil der Kapillaren.
Schönes Haar und gesunde Haut sind somit die positive Konsequenz eines gut funktionierenden Blutkreislaufs. Das Blut wird durch die Herzfunktion durch den ganzen Körper gepumpt. Zusätzlich wird der Blutkreislauf aber auch durch die Bewegung der Muskeln unterstützt. Neben dem Herz sorgt also die gesamte Körpermuskulatur für einen funktionierenden Kreislauf und somit für die ausreichende Versorgung aller Zellen. Jede sportliche Bewegung macht deutlich, wie stark die Blutzirkulation durch die Muskelbewegung angeregt wird. Ein gut durchbluteter Körper kann Nährstoffe optimal aufnehmen und verwerten. Genauso verhält es sich im Haar. Der Vorgang ist im Großen wie im Kleinen.

Bewegen wir die Kopfhaut denn ebenso gut wie unseren Körper?

Was passiert, wenn wir Körperteile total lahm legen, weiß jeder, dem schon mal der Fuß "eingeschlafen" ist: Wir spüren ein taubes Gefühl. Dieses Gefühl entsteht, weil die Blutzirkulation unterbrochen ist. Passiert dies auf Dauer, lagern sich, kaum merkbar, Schlackestoffe an den Gefäßwänden ab.
Erst durch die Bewegung der Muskulatur wird das Blut wieder gepumpt. (Bei jeder Blutabnahme hört man den Arzt sagen: "Und jetzt, bitte mal kräftig pumpen!" Nicht ohne Grund benötigen wir also Bewegung). Wenn also die Venen und Arterien nicht genügend Druck haben, lagern sich Verschlackungsstoffe an den Gefäßwänden ab und diese verengen sich. Die empfindliche Kopfhaut hat keine Muskelfasern und kein Fettgewebe wie andere Körperteile. Selbst mit viel Konzentra­tion und Kraft sind wir nicht in der Lage, unsere Kopfhaut zu bewegen oder zu trainieren.

Was können wir tun um die Kopfhaut zu bewegen?

Um die Durchblutung der Kopfhaut zu verbessern, übernimmt der Haaraufrichtemuskel indirekt die "Pumpfunktion". Indirekt, weil er nur mit der Haarwurzel verbunden ist, und diese wiederum die Bewegung (Zellvibration) auf die Kapillargefäße weiterleitet. Durch die Bewegung des Haaraufrichtemuskels wird also verhindert, dass sich in den Kapillargefäßen Verschlackungsstoffe ablagern.

Die Bewegung des Haaraufrichtemuskels hängt entscheidend von der Haarlänge - aufgrund des damit verbundenem Gewichts - und von der Bewegung der Haare ab. Bei langem Haar wird der Muskel beansprucht und gestärkt, weil sich lange Haare ständig bewegen. Der Muskel ist trainiert und in der Lage, seine Funktion als "Pumpe" zu erfüllen. Bei kurzem oder überwiegend zusammengebundenem Haar erschlafft der Muskel, denn das Haar wird nicht oder nur wenig bewegt. Somit fehlt auch die durch den Haaraufrichtemuskel ausgeübte Bewegung auf die Kapillare. Das Haar wird nicht mehr richtig versorgt und Schlacke werden nicht entsorgt. Venen und Arterien können sich dadurch mit der Zeit leicht verstopfen. Wenn sich nun Stoffe in den Kapillaren ablagern, wird die Blutzirkulation zusätzlich erschwert. Dadurch wird ein Rückstau in den Gefäßen bewirkt. Dieser führt zur Beeinträchti­gung oder Unterbrechung der Mineralstoffversorgung. Haar- und Kopfhautschädigungen, bis hin zum Haarausfall sind die Folgen.

Eine gesunde und gut durchblutete Kopfhaut macht Haar schön

Wenn also die Kopfhaut gut durchblutet ist, kann sie das Haar optimal ernähren. Kopfhautmassagen oder regelmäßiges Durchbürsten regen zwar die Durchblutung der Kopfhaut an, können aber nicht annähernd die Bewegung auf den Haaraufrichtemuskel ausüben, wie langes, offen getragenes Haar.
Ein weiterer Aspekt, der für das Wachstum der Haare entscheidend ist, ist die Blutzirkulation. Die Zirkulation des Blutes läuft immer wechselweise von vorne nach hinten und umgekehrt.
Aus biologischen Gründen sind nicht alle Kopfpartien gleich stark durchblutet. Man unterscheidet drei Zonen.
Die erste Zone ist die Vorderkopfpartie, die zweite die Nackenpartie und die dritte die Oberkopfpartie. Die Vorderkopfpartie ist am stärksten durchblutet und deswegen die wichtigste Zone auf dem Kopf. Und aus biologischen Gründen ist die dritte Zone die am schlechtesten versorgte Hautpartie. Wird die Pumpfunktion der Haarmuskeln an einer der drei Zonen nicht angeregt, erschlaffen die Haarmuskeln an dieser Stelle und unterbrechen dort den Blutkreislauf. Die Nährstoffaufnahme der Haarwurzel ist dann gestört.

Pony - nein danke!

Wenn eine Langhaarkundin z.B. einen Pony trägt, wird die Entschlackung der erste Zone beeinträchtigt oder gar verhindert. Dies hat zur Folge, dass nun auch die dahinterliegende Oberkopfpartie nicht mehr ausreichend ernährt wird, da die Blutzirkulation in der ersten Zone nicht funktioniert. Die dritte Zone ist nun wie abgenabelt und weist Mangelerscheinugen auf. Kurzfristige Unterbrechungen dieser Zirkulation richten keinen direkten Schaden am Haar an, während langfristige Durchblutungsstöungen für Haarschädigungen unterschiedlicher Ausmaße verantwortlich sind.
Am Körper können wir die Folgen von mangelnder Durchblutung sehr schnell spüren und die Gegenreaktion des Körpers macht deutlich, wie wichtig die gleichmäßige Versorgung für den Körper ist. Im Haar spüren wir diese Mangelerscheinung meistens nicht rechtzeitig. Erst Schädigungen wie Haarspliss oder gar Haarausfall zeigen uns, dass ein Mangel besteht. Damit alle drei Zonen richtig ernährt werden, ist es wichtig, dass alle Haare auf eine Länge geschnitten werden. Optimale Langhaarschnitte haben weder Stufen, noch einen Pony. Denn, wie am Beispiel des Ponys bereits erwähnt, hat die unterschiedliche Haarlänge eine Unterversorgung an Nährstoffen zur Folge. Langhaarkundinnen, die ihr Haar gleichlang tragen, haben deutlich weniger Probleme mit Kopfhauterkrankungen oder Haarausfall als Kurzhaarträgerinnen. Dies macht uns deutlich wie wichtig die Bewegung der Haarmuskulatur für die Versorgung der Haare ist. Langes Haar ist kräftiger und gesünder als kurzes! Das lange Haar ist widerstandsfähig und hat in der Regel eine stärkere Struktur."

Autor: Klaus Müller (aus dem Buch Haargeheimnisse)

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